Archiv für das Tag 'iPhone'

Wunderland Facebook: Ein Ende und ein Anfang

15. Mai 2010

So endet es also.

Ich hatte nicht mehr wirklich erwartet, noch in dieser Nacht zu schlafen. 5 Uhr durch ist es, schon hell, seit Stunden klicke ich zwischen Facebook und Twitter hin und her und starre auf die Timeline. Was für ein belangloser Mist da steht! Rumgequatsche über Schlag den Raab oder Lenas Nacktszene. Halleluja! Nicht, dass ich das alles lesen würde – man macht dann ja immer irgendwas, ganz egal was. Übersprungshandlung nennt das die Psychologie.

Meine ist Facebook. Jetzt – und seit gefühlten Ewigkeiten. Ist es nicht genau das Problem gewesen, frage ich mich. Ich weiß, dass Über-Ich kann jetzt grausame Fragen stellen. Also nur zu. Da ich zu dieser Stunde nicht mehr von Maria, sondern nur noch von Sinatra Zuspruch erwarte, bleibt die Frage an mir hängen.

Ist Facebook schuld?
Ist Facebook schuld an der Trennung? Ist es das?
20 Prozent aller Scheidungen in den USA gehen auf Facebook zurück, habe ich gelernt. Jede fünfte Ehe also. Würde nicht jeder Partner kapitulieren, wenn er merkt, dass man in eine Gegenwelt abtaucht, in der man einfach nicht zu Hause ist? Oder flüchtet man in diese Gegenwelt, weil man zu Hause nicht mehr zu Hause ist?

Ich habe es Saskia zehn- oder zwanzigmal angeboten, auch zu Facebook zu kommen. Es war mir zuerst noch wichtig gewesen. Aber irgendwann hat es aufgehört, wichtig zu sein, und dann haben wir angefangen uns dabei zuzusehen, wem es weniger wichtig ist, wen es mehr trifft – mich, als sie zum ersten Mal auf einer Party mit einem anderen Mann tanzte oder sie, wenn ich meine Zeit mit virtuellen Bekannten, also Frauen, im Internet verbringe, während sie keine drei Meter weiter alleine den Tatort schaut. Ein Austesten, bis irgendwann die Reitstunden immer länger, die SMS am Abend mehr und die Entschuldigungen für Spaziergänge alleine um zehn Uhr abends immer dümmer werden.

Parallelwelt Facebook: Die irrste Zeitreise überhaupt

Ich habe stattdessen eine ungeplante Reise unternommen, die sich schnell als Expedition in eine Parallelwelt herausstellen sollte. Wenn ich an Facebook denke, dann denke ich an diesjährige Verfilmung von Alice im Wunderland.

Es wimmelt ja nur so von Freaks da draußen. Ich habe applaussüchtige Zirkusclowns kennen gelernt ebenso wie Familienväter, die auf Facebook zum Sugar Daddy werden und sich um Kopf und Kragen statusupdaten, nur um der 23-jährigen Praktikantin zu imponieren. Peinliche Egoshooter und getriebene Selbstdarsteller ohne Selbstzweifel.

Und genauso habe ich Dinge gesehen und neue Weggefährten kennen gelernt, von denen ich nie dachte, dass sie schnell zu Freunden im besten Sinne des Wortes werden können, obwohl sie in Südafrika sitzen, in Danzig oder in Lima.

Diese Reise ist nun beendet, irgendwie. Zumindest dieser Teil. Und wie Alice, die aus dem Loch herauskrabbelt, um zur wartenden Adelsgesellschaft zurückzukehren, habe ich etwas mitgenommen aus diesem verrückten halben Jahr: Wenn ich in Facebook eines gelernt habe, dann, was ich nicht will. Es stimmt ja nicht, dass es nur eine luizide Parallelwelt wäre, in der man sich verlöre. Das Gegenteil ist der Fall: Facebook lässt einen vieles im klareren Licht sehen.

Man sieht die Flüchtigkeit mancher Freundschaft.
Man sieht den Narzissmus manches Kollegen.
Man sieht die einfachen Verlockungen, die hinter flirtbereiten Profilbildern stecken.
Man sieht mit einem Klick, was aus der Jugendliebe geworden ist – und freut sich oder sich beglückwünscht sich selbst, dass es zu Ende ist.

Man sieht aber auch die Schönheit, die in der Freundschaft liegt – sei es, dass sie am Strand von Barcelona geschlossen und in Warschau weitergeführt wird oder sei es, dass sie auf Facebook gemacht wird und im echten Leben bestätigt werden muss. Facebook, das ist die irrste Zeitreise überhaupt. Man kann permanent in der Zeitachse nach vorn und hinten springen.

Eine Welt voller Optionen: Aufbrechen, um woanders anzukommen

Herausgekommen ist eine Welt voller Optionen, denke ich, während ich wie im Winter wieder am Altonaer Balkon stehe und den Schiffen nachblicke, die da unten beim Hafengeburtstag auslaufen – immer zieht es mich hierin, ich bin Bürgermeister auf Foursquare von diesem Fleckchen Erde, wirklich wahr.

Nun ist Frühling, echter Frühling jetzt, und die Welt ist voller Verheißungen. Ich sitze auf einer der Bänke und klicke mich auf meinem iPhone durch Flugverbindungen. St. Petersburg steht da oben auf der Liste, das ist klar. Antwerpen für ein Wochenende mit dieser ironischen Belgierin ist schon gebucht, rein freundschaftlich. Aber da ist noch jemand anders, die mich wirklich neugierig macht. Ich recherchiere Flüge nach Tirana.

Im selben Moment poppt eine Facebook-Mail auf. How are you, any improvement with the Hamburg summer? 😉 Melaz macht Witze. 12 Grad bei uns, 25 in Tirana. I’m so sorry for you guys, just embrace the summer! In Tirana you’ll get just that – it’s awesome, it’s the real summer! So come on over 🙂

Das glaube ich ihr aufs Wort. Der Flug ist rausgesucht. Landung um Mitternacht in Rinas, das verrückteste Date aller Zeiten wäre das. Nur ein Klick fehlt – nur ein Fingertipp auf dem iPhone.

Ich blicke in den Hafen, blicke in die majestätische Frühlingskulisse, sehe wie ein Schiff das Trockendock verlässt und aufbricht in die sieben Meere, auf dem Weg ins Irgendwo. Jeden Tag verlassen Menschen ihre Heimat, brechen auf und kommen als andere woanders an.

„So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom – und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu“, beendet F. Scott Fitzgerald den Großen Gatsby. Aber das stimmt ja nicht. Denn wenn man denkt, es wäre vorbei, hat es tatsächlich erst angefangen.

Ich tippe aufs iPhone und sehe, wie die Seite umspringt. Gebucht.

Moving is living, schreibe ich in mein Statusupdate.

Und so beginnt es.

Eine Facebook-Trennung: Die zweite Halbzeit

10. Mai 2010

Es ist nicht zu Ende, bis es zu Ende ist, lautet diese weit verbreitete amerikanische Redensart. Wie schnell es aber dann zu Ende gehen kann, merkt man ja selbst immer als Letzter.

Samstagabend ist es, wieder ein Samstagabend alleine, wie die letzten Wochenenden, an denen ich in der Wohnung umherschleiche und nichts zu tun hatte, außer über uns nachzudenken. Und wenn selbst das zu nichts führt, gibt es immer noch Facebook, dort gibt es schließlich allerhand  zu tun – bzw. zu kommentieren, posten, klicken.

Frühling soll das sein, was wir an diesem zweiten Maiwochenende haben, aber Frühling sieht anders aus. Ich sitze auf der Couch, zappe durch das TV-Programm, bleibe bei den Bierduschen für Louis van Gaal und seine Bayern stehen, ich habe nicht mal mehr etwas gegen den, eigentlich finde ich den Bayern-Coach in seiner kauzigen Art fast schon Kult, dieses Feierbiest.

Als ich fast drohe, vor dem Aktuellen Sportstudio einzuschlafen, fällt mir ein, dass ich diese neue Erkenntnis twittern könnte: Louis van Gaal, ein Trainer für die zweite Halbzeit. Oder, damit es auch Retweets gibt: Es gibt immer eine starke zweite Halbzeit. Das hat gestern in der Reh Bar ein ehemaliger Klassenkamerad von mir gesagt, der jetzt bei PriceWaterhouseCoopers arbeitet und das Up in the Air-Leben lebt.

Es gibt immer eine starke zweite Halbzeit, bedeutet: Es geht immer weiter. Oliver Kahn-Weisheiten. Ich will das twittern oder facebooken, finde aber das iPhone nicht – Drama pur. Ich rutsche auf dem Sofa herum und greife nach meinem alten MacBook, das ich mehr oder weniger an Saskia abgetreten habe, seit ich das Pro benutze, Zweitverwendung.

Der Moment, in dem Zeit gefriert: Eine Facebookseite, die nicht meine ist

Auch leer natürlich. Wie gut, dass das Ladekabel in der Nähe ist. Plugin, MacBook hochfahren. Eine Menge Seiten sind da offen, ich kann sie nicht ganz zuordnen. Pferdezeug, Sättel für über tausend Euro, Abschwitzdecken in den Hunderten – alles für den vierbeinigen Liebling. Ist schließlich ein Rassewallach, ein Turnierpferd, ich sollte es mir wirklich häufiger ansehen und nächstes Wochenende mal wieder in den Reitstall kommen, denke ich halb schlaftrunken, während ich durch das Album auf Facebook klicke.

Dann schlägt der Blitz ein. Es gibt diesen Augenblick, wenn der Zeiger über die 12 läuft, wenn das Band zerreißt, wenn man über die Klippe in den Abgrund fällt, aber der Aufprall noch aussteht – man weiß aber, dass er im nächsten Bruchteil der Sekunde kommen wird – der Harry Potter-Moment, in dem Zeit gefriert.

Was ich sehe, als meine Zeitrechnung kristallisiert, ist dies: Eine Facebookseite, die nicht meine ist, das Bild meiner Freundin, Pferdebilder, Kommentare von immer demselben Nutzer, ein Beziehungsstatus, der Single lautet und eine Nutzerin, die sich Sas Kia nennt. Ganz clever.

Trennung 2.0: Nicht Face-to-Face – auf Facebook

Als die Zeit weitertickt, ich meinen Herzschlag hämmern spüre und ich auszuatmen vergesse, lese ich:

Hey Maus, Du machst Dich so gut auf dem Braunen, freu mich schon sooo auf unseren Reiterurlaub!
Samstag, 8. Mai, 8:42 Uhr.

Das Datum wird zum Meilenstein.

Vorbei also.

Es ist eigenartig: Ich habe mir diesen Tag X immer anders vorgestellt. Dramatischer. Ehrlicher. Ohne Dritte. Nicht schriftlich. Face-to-Face. Nicht auf Facebook. Oder ist das Absicht, damit es richtig wirkt, damit es nicht den Hauch eines Zurücks gibt? Keine Frage: Wenn das der Plan war, dann geht er auf.

Zuerst ist da die Verachtung: Mit dem Erstbesten, dem Reitlehrer, einem Protagonisten aus einem Groschenroman, in dem es nun Zeit für die Heuszene wäre. Ich bin fast dankbar dafür: Dass mir das, über was ich mir selbst seit geraumer Zeit selbst den Kopf zerbreche, so leicht gemacht wird. Dass –

Dann kommt die zweite Welle. Die Wände scheinen zu bröckeln, der Boden sich aufzutun, Fenster zu zersplittern. Diese Wohnung ist kein zu Hause mehr. Das hier ist vermintes Territorium.

Für einen Moment spiele ich damit, meinen Beziehungstatus auf ‚Single’ zu setzen. Revanchegelüste. Stattdessen fahre ich Skype hoch.
Nico ist online.
St. Peterburg, hämmere ich in die Tastatur, wann?
Im Juni.
Bin dabei, schreibe ich.

Vor mir aus hätte es morgen sein können, aber das ist mir auch recht. Weiße Nächte sind die längsten Nächte.

Und von mir aus danach direkt nach Moskau. Oder was der Sommer noch so an kurzen Röcken hergibt, denke ich, bis mir einfällt, dass gekränkte Kinder die dümmsten Dinge anstellen…

Während die Freundin ihren Feierabend im Reitstall verbrachte, verbrachte ich ihn auf Facebook

Aber darum geht es ja gar nicht. Es ist der Moment danach, wenn man weiß, dass die Schlacht geschlagen, aber noch nicht die Bereitschaft vorhanden ist, die Verluste abzuschätzen. Ein Lebensabschnitt, der zerbirst, statt zu zerfasern – auf Facebook, welch Ironie, dass sich der Kreis hier schließt.

Ich wusste es ja längst: Wir haben uns auseinandergelebt und es verpasst, den nächsten Schritt zu tun. Wenn man sechs Jahre miteinander lebt, geht man davon aus, dass es immer so weitergeht. Irgendwann wird geheiratet, irgendwann kommen Kinder. So der Plan.

Die Wirklichkeit jedoch verläuft ja anders. Wenn der HSV 2:0 in der ersten Halbzeit führt und das Spiel bestimmt, wäre es trotzdem gut, das 3:0 zu machen. Wenn man an der Börse einhundert Prozent vorne liegt, wäre es ganz gut, Gewinne mitzunehmen. Die nächste Krise kommt nämlich bestimmt: an den Aktienmärkten wie in der zweiten Halbzeit – und erst recht in der zweiten Halbzeit der Beziehung.

Statt Hochzeitsglocken und Nachwuchs kam das Pferd – und Facebook. Während die Freundin ihren Feierabend und die Wochenenden im Reitstall verbrachte, verbrachte ich sie vor Facebook. Und wie ich hier nun lernen sollte, verbrachte die Liebste ihre Freizeit nicht nur beim Pferdchen, sondern irgendwann auch beim Reiter. Und sogar auf Facebook.

Simple together: One final goodbye after all those years

Während ich langsam zu begreifen beginne, was ‚vorbei‘ bedeutet, fällt mir schlagartig ein, welchen Song ich dazu auf Facebook posten sollte. Im vermutlich einschneidendsten Moment der letzten Jahre, des letzten Jahrzehnts, ist das mein erster klarer Gedanke – dass zu jedem Abschied auch ein Soundtrack gehört. Der Soundtrack des Lebens. Krankes Leben.

Also bring ich zu Ende, was zu Ende gebracht werden muss. Wir wussten es beide seit einem halben Jahr, als Saskia uns von Boston nach Montreal fuhr und plötzlich auf dem 6.99-Dollar-BestBuy-Alanis Morissette-Bestof der Track lief. Ich wusste damals, dass es unserer Song wäre, im schlechten Sinne, dass es der wäre, der es besiegelt, dass er Wort für Wort ausdrückt, was schiefgelaufen ist, und ich habe mich damals weder getraut ihn wegzuschalten, noch ihn zu facebooken. The autumn leaves von Tony Bennett war der Kompromiss danach, der ist auch traurig genug.

Simple together, steht da nun im Status Update. One final goodbye after all those years.

Notizzettel 2.0

30. April 2010

Wenn die Nacht am schwärzesten ist, ist der Morgen am nächsten, sagt man ja so gern. Ich sitze im Zug nach Hause von Berlin nach Hamburg, 5:17 Uhr am Gleis 8, voll wie nie, das Vulkanwochenende ist schuld. Das fast leere iPhone auf dem Schoß, 20 Prozent Batterie noch für das letzte Mia-Album, Willkommen im Club, das – zugegeben – ein bisschen zum verkitschten Abziehbild des Berliner Lebensgefühls verkommen ist. Ich mag die Stadt ja.

Was für eine verrückte Nacht, was für eine verrückte Woche. Häuser, Bahnsteige und Rapsfelder ziehen vorbei, während mir einfällt, dass ich ja die Isländerin auf Facebook zuklicken wollte, die ich vorhin im sorsi e morsi kennengelernt habe, eine Isländerin, die ich nicht nach dem Eyjafjallajökull gefragt habe, der mir nicht mal eingefallen war, während mir Facebook einfällt. „Bist Du auf Facebook“ ist ja das neue „Bist du öfter hier“. Die Kontaktaufnahme geht so:

„Hey! Coole Bar, bist Du öfter hier?“
„Ja, schon, gerne, ich mag es hier.“
iPhone zücken.
„Ganz vielen Leuten gefällt das auch auf Facebook, sehe ich gerade.“ Bedeutungsvolle Pause. „Bist Du eigentlich auf Facebook?“
„Ja, klar.“
„Sag mal deinen Namen.“
Es funktioniert immer, ein Automatismus.

Verfängliche Sicherheit der Privacy-Settings: Macht ja nichts, die Freundin liest nicht mit

Ich schweige und denke an das verrückte letzte Jahr mit Facebook. Es ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Das erste Mal war auf einer dieser Datschapartys, als eine junge Türkin angerannt kam und „das iPhone, das iPhone“, schrie. Anfang 2008 war das. Ich dachte zunächst an eine Veralberung, aber dann war es das erste Mal seit sechs Jahren, dass ich angefangen habe, mit anderen Frauen zu flirten.

Man schickt Mails, man schreibt sich auf die Pinnwand – und glaubt, dass es nichts mache, weil die eigene Freundin da ja nicht lese und ihre Arbeitskollegen in den Privacy Settings gefiltert sind. Man hört von seinen Freunden und Freundinnen, die ihre Freunde und Freundinnen betrügen, liest in Frauen- und Männermagazinen, wie aufregend und belebend ein Seitensprung wäre, hört allen Ernstes Paarpsychologen behaupten, dass ein Seitensprung eine Beziehung retten könne und fühlt sich wie ein Heiliger, weil man lediglich einen Party-Flirt bestätigt und dummes Zeug zurückschreibt.

Internationale Facebook-Freundinnen: Das ist doch alles gar nichts, nicht wahr?

Und die paar internationalen Frauen, die man über Meet new People kennengelernt hat, weil man den Gedanken der one world so toll findet und sich darüber freut, wie eine rassige Italienerin im Travel Asia Forum zur Thailandreise Unterkünfte auf Koh Koh Phi empfiehlt – das ist doch alles gar nichts, nicht wahr?

Und so freut man sich dann auch am Geburtstag über die nächsten 20 Pinnwand-Glückwünsche und 10 Facebook-Mails, während man am Nachmittag in altbekannten Phrasen über die Reiseziele in der Toskana, die Amalfiküste oder Südfrankreich philosophiert, während man selbst viel lieber nach St. Petersburg, Moskau oder Kiew will, um das Leben von einer ganz anderen Seite zu besichtigen – abseits, dieser ausgetreten Pfade der satten, mediokren 30er-Spießerreisen.

Der Akku ist leer: „Schon wieder?“ „Immer noch“

All das und der Rest von meinem Geburtstag geht mir durch den Kopf, während der ICE langsam in Richtung Hauptbahnhof einläuft. Während wir schweigend vor ein paar Wochen an der Alster entlanggingen, wusste ich schlagartig, was ich ja längst weiß: dass dies der letzte gemeinsame Geburtstag sein würde, dass es nichts gibt, was es mehr aufhalten kann, dass es nur einen einzigen Satz bräuchte, und alles würde in die Luft fliegen. Aber den sprechen wir nicht aus. Stattdessen sagt Saskia in die Pause hinein:

„Was hat Matthias Dir eigentlich geschrieben?“ fragt sie über einen gemeinsamen Bekannten, der in ihrer Agentur arbeitet, „er ist doch auch auf Facebook?“
„Das würde ich auch gern wissen“, entgegne ich ins Nichts hinein, „aber der Akku ist leer.“ Eine glatte Lüge, um nicht die 20 anderen Pinnwandeinträge der Facebook-Freundinnen zeigen zu müssen.
„Schon wieder?“ fragt sie, halb ironisch.
„Immer noch“, entgegne ich bitterernst.

Der Akku ist leer. So war das am Geburtstag. So geht es ja seit Monaten, jeder betrachtet den anderen dabei, wie er den anderen betrachtet. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, als ich heim komme, aber Saskia ist nicht zu Hause. Es ist Samstagmorgen, sie ist beim Pferd, im Reitstall. Bin reiten, warte nicht auf mich, steht da hingeschmiert auf einem Zettel in der Küche.

Dieses Zettelchenschreiben, das war ja einst wie eine Liebeserklärung. Ich habe die kleinen Zettel, dieses Gekritzel auf Briefumschläge oder Post-Its bis heute in einer Schuhbox gesammelt, das weiß Saskia gar nicht. Nun haben die Notizzettel wieder ihren Sinn zurück. Status-Update, Kommentare, Pinnwand-Einträge wären es auf Facebook – Notizzettel 2.0, die Spuren des täglichen Lebens.

Ein Facebook-Geburtstag

10. April 2010

Wieder ein Jahr älter. Besser wird es ja nicht: Wenn man einmal die magische 30er-Schwelle überschritten hat, ziehen die Jahre an einem vorbei wie Rücklichter auf einer Landstraße – schneller und schneller geht das. Auch wenn gerne behauptet wird, Geburtstage wären nichts Besonderes, stimmt das ja so nicht.

Natürlich gibt es keine schlaflosen Nächte durchzustehen wie beim zehnten Geburtstag, als man der Carrera-Bahn entgegengefiebert hat – oder eben nicht. Aber völlig egal, wie manch älterer Freund von mir behauptet, ist mir der Geburtstag nicht. Und sei es als Reality-Check, um zu wissen, wer an einen gedacht hat – und wer nicht.

Vier SMS und zwei Anrufe lautet die Ausbeute der ersten Viertelstunde im neuen Lebensjahr, denn, seien wir ehrlich, darum es geht doch, so kindisch das auch sein mag: um das Gratulationssammeln wie früher Panini-Bilder auf dem Schulhof.

From iDay to myDay: Die meisten Glückwünsche auf Facebook

Die dickste Ausbeute, das wird bereits kurz nach Mitternacht klar, wird woanders gemacht. In Facebook, in meinem Freundesnetzwerk, das mein Leben wie nichts anderes im vergangenen Jahr bestimmt und verändert hat und viel schneller als ich es für möglich gehalten hätte, in dreistelligen Höhen angekommen ist.

Zugegebenermaßen war die Vorlage dieses Jahr ziemlich groß. Ein reiner Feiermarathon ist das: Ostern, Geburtstag und dann noch der iPad-Verkaufsstart, der für Leute wie mich durchaus eine Bedeutung hat, wie meine Freunde wissen: „Nils, meine besten Wünsche! Gestern war der iDay, heute ist Dein Day! 🙂 Feier schön doppelt – Ostern und Geburtstag in einem – Deinen Ostergeburtstag!! ))“, lauten die ersten Glückwünsche auf Facebook. Auch die anderen Freunde wissen Bescheid:

Happy BirthDay – yourDay : )))
Yes, Nils, today is your day!! 😉 Happy Birthday.., I wish you all the best! 😉
Make a glorious day !!!! I-ppy birthday
Lieber Nils, alles, alles Liebe zu Deinem myDay von Martin und mir!!! Take it easy…
Happy birthday! Best wishes for you! Spend it in a special way and have a good celebration. Bisous!

Mitteilung 2.0: Auf Foursquare einchecken, um jedermann auf Twitter und Facebook wissen zu lassen, wo ich mich gerade befinde

„In a special way“ an Ostern und Geburtstag bedeutet, dass die Nacht nun zum Tag gemacht wird, Saskia hat nur kurz am 12-Uhr-Sekt genippt und schläft längst, das ist wahrscheinlich ohnehin besser für uns. Früher gab es einmalige Geburtstage in einer abgelegenen Bucht in Mallorca, in einer Finca mit Pool in Südspanien, im frühlingshaften Barcelona, in der Sky Bar, im 62. Stock eines 5-Sterne-Hotels in Bangkok – heute geht es nur noch um Konfliktvermeidung, wenn es noch um irgendetwas geht. Es ist die 89. Minute unserer Beziehung, das wissen wir beide. Aber an Geburtstagen will man keine rote Karte provozieren, oder?

Eine halbe Stunde später treffe ich Nico vor der Reh Bar in Ottensen. „Poste doch auf Facebook, dass Du hier feierst“, schlägt er vor, „ich wette, da sind noch ein paar von den Jungs hier in der Gegend.“
„Das ginge doch viel einfacher“, entgegne ich. Ich könnte auf Foursquare klicken und schon wüsste jeder in meiner Timeline auf Twitter und Facebook, dass ich in der Reh Bar „eingecheckt“ habe. Ich weiß auch nicht genau warum, aber ich mache seit einiger Zeit mit bei dieser virtuellen Schnitzeljagd: Dieses Ich-bin-hier-und-wo-bist-Du-Ding? Während ich an der Bar stehe, Cuba Libres bestellen will und überlege ich, ob tatsächlich jeden wissen will, wo ich gerade in meinen Geburtstag reinfeiere, poppen die nächste Glückwünsche auf dem iPhone auf, das vor mir auf der Bar liegt.

Es surrt und leuchtet so auffällig, dass es auch den beiden Blondinen vor mir auffällt. Die sehen sich, mich – und ich sie an. Es wäre nun der Augenblick, etwas zu sagen, aber wie immer sagt niemand etwas in Hamburg. Zum Glück ist das auch nicht nötig, das iPhone übernimmt die Sache . „Lieber Nils, meine herzlichen Glückwünsche. May your wishes come’, steht da. ‚Wie läuft Dein Birthday-WE? Busserl!“

„Du kennst die aber schon im wirklichen Leben, oder ist das wieder so eine Facebook-Nummer?“

Die etwas kleinere der beiden Blondinen schaut mich an, groß sind sie beide.
„Du hast Geburtstag?“
Ich nicke etwas peinlich berührt.
„Na Glückwunsch dann“, sagt sie betont gleichgültig.
Offline-Glückwünsche halt, denke ich, während mir noch immer kein gescheiter erster Satz einfällt – meine größte Schwäche im Nachtleben.
Peinliche Pause. Nachdem ich endlich meine Cuba-Order aufgeben kann, sagt sie schließlich: „Die will doch was von Dir?“

Sie spricht über Maria, meine Facebook-Freundin aus Österreich, mit der ich seit einiger Zeit so etwas wie eine Email-Freundschaft pflege, wenn es denn so was gibt. Ich schreibe inzwischen ganz schön viel dafür, dass wir uns noch gar nicht gesehen haben – die klassische Online-Krankheit.
„Glaub ich nicht“, nuschel ich endlich.
„Du kennst die aber schon im wirklichen Leben, oder ist das wieder so eine Facebook-Nummer?“, sagt die Blondine, die mich genau taxiert und mir auf den zweiten Blick ziemlich gut gefällt – der erste gehörte ihrer Freundin. Typische Hamburger Mädel mit Segelschein und so, hieß das bei Christian Kracht vor 15 Jahren in Faserland.

Der Facebook-Add ist die neue Handynummer

„Ja und ja“, entgegne ich bewusst gedehnt und versuche, halbwegs lustig zu sein.
„Ja und ja?“, beißt sie an.
„Ja“, lüge ich, „klar kennen wir uns im wirklichen Leben.“ Ich taxiere sie auf Mitte, Ende 20, eher 26 als 29, irgendwo glaube ich da hinter der coolen Fassade eine gewisse Unerfahrenheit auszumachen, die sie überspielt, „und ja, das ist so ein Facebook-Ding.“

Sie schaut erstaunt, ich nutze die Pause.
„Da bist Du auch, oder?“
„Na, klar“
„Sag mal Deinen Namen.“
Sie schaut verblüfft und lacht.
„Oder besser: Schreib mal.“
Sie schreibt. Es dauert etwas, mit dem iPhone kommt sie nicht zurecht, aber es klappt im dritten Anlauf. Ich klicke sie zu. Live-Adding nennt man so was heute.
„Cool. Morgen sind wir Facebook-Freunde“, freue ich mich.
„Das will ich hoffen“, sagt das blonde Mädchen, das Annika heißt. Passt.

Die Cocktails kommen, Zeit zu gehen, ehe ich das hier vermasseln kann. Ich verabschiede mich und komme mit zwei Cuba Libres und Annikas Facebook-Freundschaftsanfrage zu Nico zurück.
„Hat etwas länger gedauert.“
„Ganz offensichtlich. Geaddet?“
Ich nicke. „Nie ging ein Kontakt schneller.“
„Stimmt, Facebook ist das Tamagotchi der iPhone-Generation.“
„Und der Facebook-Add ist die neue Handynummer.“
Er grinst.
„Schöner Start ins neue Lebensjahr.“
Wir stoßen an.
„Cheerio! Auf Facebook.“
„Auf Facebook.“

Das große Frühlingserwachen

26. März 2010

Plötzlich war der Frühling da. Fast 20 Grad am 25. März? Unglaublich – aber wahr. Mit einem Mal sind sie wieder da – die Stühle im Freien, die Menschen, die auf die Plätze drängen, die noch vor zwei Wochen zugeschneit und vereist waren.

Die Eiscafés werden gestürmt, als würden sie morgen schon wieder dichtmachen. Kurze Röcke und weit ausgeschnittene Tops flankieren das Schulterblatt in der Schanze, das noch mehr aus allen Nähten zu platzen scheint als an manchem Hochsommertag im letzten Juli – jeder, aber auch jeder, hat sich diesen ersten wahren Frühlingstag herbeigewünscht. Sehnlichst!

Und wenn es so was wie Schönwetterfreunde gibt, sind die auch wieder da. „Drinks, draußen nachher?“, lautet eine Mail am späten Vormittag.  „Hey, chillen heute Abend in Schanze?“, schreibt ein anderer Freund per SMS. Ich bin schon für den Abend verabredet, aber eine SMS, eine Mail – das geht en retour immer. Besonders am ersten Frühlingstag des Jahres. Der Winter war hart, man hat sich lange nicht gesprochen – nun aber wieder. Alte Freundschaften, die aus ihrem Winterschlaf erweckt werden.

Vielleicht ist es an Facebook, die Halbwertzeit einer Freundschaft zu definieren

Und doch – es ist nicht wie früher.

Vor ein paar Jahren, als NEON die erste von unzähligen Geschichten über Freundschaften im digitalen Zeitalter erzählt hat, war ich sehr skeptisch über Sinn und Nachhaltigkeit von virtuellen Freundschaften. Und neidisch, weil natürlich keiner meiner 30+-Freunde auf Facebook wollte.  These: Die NEON-Twentysomethings bekommen ernsthafte Schwierigkeiten, wenn ihnen die realen Freunde nicht in die sozialen Netzwerke folgen – sie würden verloren gehen, weil sie einfach nicht mehr am Alltag teilhätten.

Zeitversetzt um ein halbes Jahrzehnt ist das auch bei mir angekommen. Alle sind bei Facebook – die Freunde, die Bekannten, Kollegen, Alt-Kontakte aus den diversen Stationen meines Lebens. Und die Freunde, die sich bis heute verweigert haben, die haben ein Problem – bzw. ich mit ihnen.

Ein paar sind so tatsächlich verloren gegangen in diesem verlorenen letzten Jahrzehnt, das ist mir kurz vorm Ende des Jahreswechsels aufgefallen, als ich nicht, wie in den vorangegangenen Jahren, mit einem früher besten Freund hereingefeiert habe, und das wird mir in ein paar Wochen auffallen, wenn die Tennissaison beginnt und es keine Grundlinienduelle mit einem alten Weggefährten geben wird.

Vielleicht ist es an Facebook, die Halbwertzeit einer Freundschaft zu definieren. Denn von diesen 1.0-Freunden lese oder höre ich nichts mehr, bis eben ein Anlass wie der Frühlingsanfang sie einmal im halben Jahr per Mail oder SMS nach oben spült. Danach verschwinden sie wieder im Off-Modus der 1.0-Welt.

Frühlingsbeginn 2.0: Live-Bilder, Echtzeit-Updates und Bar-Eröffnungen in der Timeline

Stattdessen lese ich, ob ich will oder nicht, in meiner Timeline in Facebook oder Twitter alles über den Frühlingsbeginn. Wenn ich nicht selbst längst draußen auf dem Balkon wäre, würde ich wahnsinnig werden. Mit dem iPhone den ersten Frühlingstag beginnen, um zu lesen, wie der erste Frühlingstag beginnt.
„Die Twitter-Mädchen zwitschern zum Frühlingsstart aber heute besonders viel“, schreibt da einer. „Endlich! In der Sonne 26 Grad!“ eine andere. Und: „Fühlt sich wie auf ’ner Beachparty! :)“,  ist von der wilden_amazone zu lesen, die im wirklichen Leben bei einer der größten Agenturen des Landes arbeitet und vom Neumarkt gerade ein beneidenswertes Abendbild twittert.

Aus ihrer Timeline weiß ich auch, dass die Strandperle morgen wieder öffnet, während ich durch den Veranstaltungskalender einer Social Media-Kollegin gelernt habe, dass das frühere Bereuther heute als Bar Hundert wieder zum Leben erweckt wird. Damals, vor neun Jahren, war ich öfter dort, es war ein guter Sommer – lange vor Facebook, Twitter und dem iPhone.

Vor allem war es Katharinas Sommer – der Sommer, in dem unsere Zeit begann. Heute sind wir enge Freunde, wenn man in solchen Kategorien denken will, oft genug geht das ja nicht, danach. Auch sie kommt gut ohne Facebook aus und hat mir einmal auf meine Freundschaftsanfrage erklärt, sie wolle mit dem Aktualisierungszwang einfach nicht mehr mithalten müssen. Und doch: Die Freundschaft funktioniert trotzdem als eine der ganz wenigen aus der Xing-only-Gegenwelt.

Durch Facebook und Twitter etwas verpassen – und diese Erkenntnis gleich facebooken und twittern

Nun ist Frühling, und während um mich herum das Leben zu explodieren scheint, sitzt sie wieder einmal vor mir, bereits im achten Monat schwanger, es ist unser erstes Treffen seit fast einem halben Jahr. Wir sitzen vor diesem gut beleuchteten italienischen Restaurant in Ottensen, essen zum ersten Mal in diesem Jahr draußen, irre ist das an einem 25. März. Wir reden über die letzten sechs Monate, über den schneereichen Winter, den plötzlichen Frühlingsausbruch, die Zeit dazwischen, vor allem aber über uns.

„Was für ein Tag für ein Wiedersehen.“
Sie grinst.
„Beinahe wie früher.“
„Ja, beinahe.“
Pause.
„Weißt du schon, wie ihr es nennen wollt?“
Sie sagt es mir.
„Wow, das ist die beste Wahl überhaupt. Meinen Glückwunsch!“
Sie lächelt. „Danke. Und wie geht es dir?“

Ich sage es ihr. Es ist so viel passiert in dieser Zeit. Unter der Oberfläche bei mir, weitaus erkennbarer bei ihr. Das letzte Mal im September war es nicht mehr als ein Bauchansatz, kleiner als bei den meisten Männern. Nun ist es Leben. Ich fasse den Bauch an und kann das Kind fühlen. Es kommt mir so seltsam vor, so irreal, aber dieses kleine Lebewesen, das schon strampeln kann, wird in wenigen Wochen für immer ihre Welt verändern. Man hat ja keine Vorstellung von so etwas.

Das iPhone habe ich seit Stunden vergessen, Facebook interessiert mich gerade nicht. Sie redet langsam und ist ganz bei sich, unglaublich gelassen, wie eine Figur aus einer Judith Hermann-Kurzgeschichte, im letzten Jahr waren wir noch bei der Lesung, nun erscheint sie mir selbst ein bisschen verwandelt. Noch nie habe ich Katharina so gesehen. Eine enorme Erhabenheit liegt darin. Ich freue mich wahnsinnig für sie – und denke plötzlich mitten bei der dritten Cuba Libre, dass ich bei dem ganzen Gefacebooke und Getwittere vielleicht doch etwas verpasse. Vielleicht doch. Das Schlimmste aber ist, dass ich im nächsten Moment denke, dass ich genau diese Erkenntnis jetzt twittern und facebooken müsste. Missing out – on life.

Das Beste am ersten Frühlingstag: Zu wissen, dass noch alles vor einem liegt

Das Allerschlimmste: Dass ich den richtigen Moment vielleicht selbst schon verpasst habe. Diesen – und jenen. Ich bringe sie zum Auto, winke ihr nach und sehe, wie die Rücklichter kleiner werden und hinter der Kurve verschwinden.
Katharina war die Frau vor Saskia.

Allein in der Frühlingsnacht, an der Alster entlang den ganzen Weg nach Winterhude. Aufgeregte, kehlige Stimmen hallen durch die Nacht und künden vom Aufbruch. Ich liebe das ja, die Nacht alleine für mich, die ersten Vögel zwitschern. So kann es sechs Monate weitergehen, steht da in meiner Timeline bei Facebook. Das kann es. Das ist ja das Beste am ersten Frühlingstag: Zu wissen, dass wieder alles vor einem liegt.

Die Wohnung ist leer, Saskia schon zu ihren Eltern gefahren. Sie hat sich den Freitag frei genommen, ein langes Reitwochenende. Ich gehe auf den Balkon und inhaliere ein letztes Mal die süßliche Frühlingsluft. Die blaue Stunde. Frühling, das ist immer Aufbruch, das ist ein Neuanfang. Der Preis dafür ist der Abschied von etwas.

Facebook? Twitter? Im Zweifel für Lisa

5. März 2010

Jonah Peretti muss ein ziemlich smarter Bursche sein. Der amerikanische Internet-Unternehmer ist Co-Gründer des enorm beliebten News-Aggregators The Huffington Post und des Medienmagazins BuzzFeed. Nahe liegend also, dass man von Medienmenschen seines Schlages Geistesblitze am Fließband erwarten kann. Perettis letzter kluger Einfall wurde dann gleich von mehr als hundert Nutzern des Mikroblogging-Dienstes Twitter geretweeted – also: zitiert. Er lautet: „Twitter ist ein einfacher Service, der von smarten Leuten genutzt wird. Facebook hingegen ist ein smarter Service, der von einfachen Leuten genutzt wird.“

Das stimmt natürlich, wie es nicht stimmt. Während man bei Facebook bei inzwischen über 400 Millionen Nutzern so ziemlich alles zu lesen bekommt, gilt es für den noch immer weitaus kleineren Echtzeitnachrichten-Konkurrenten, der seinen Durchbruch in erster Linie der Verbreitung des iPhones und Blackberrys zu verdanken hat, nur, wenn man „die Schwatzbude Twitter“ (Der SPIEGEL) richtig zu filtern weiß.

Und wenn man Lisa liest. Lisa Rank heißt auf Twitter kumullus und schreibt die fantastischsten Sachen, die in 140 Zeichen – oder manchmal auch nur vier Worte passen. „Endorphinparty. Powered by Sonne“, ist da zu den ersten frühlingshaften Tagen zu lesen. Oder: „Wenn mir das Herz aufgeht, macht es das Geräusch von zwischen den Zähnen zerploppenden Nimm2Soft.“ Oder: „Ich als Arzt würde schleimlösende Mittel ja verstärkt bei Werbern einsetzen.“

Lisa Ranks bemerkenswertes Roman-Debüt

Lisa schreibt gerne, das wird schnell klar. So gerne, dass 140 Zeichen dafür nicht reichen – und digitale Formate wie ihr enorm lesenwertes Blog auch nicht. Manche Gedanken wollen zu Papier gebracht, gedruckt und verleimt werden. So geschehen in den vergangenen drei Jahren, in denen Lisa nicht nur in der Berliner Social Media-Szene um Sasha Lobos Zentrale Intelligenz Agentur ihre Spuren hinterlassen, sondern auch noch nebenbei einen bemerkenswerten Debütroman geschrieben hat.

Und im Zweifel für dich selbst“ heißt er und ist seit Montag in den Buchhandlungen. Mittwochabend hat die Neu-Hamburgerin, die seit Ende vergangenen Jahres für eine der größten PR-Agenturen des Landes arbeitet, ihre erste Lesung in Hasenschaukel auf dem Kiez gegeben. Book Release-Party, nennt man das heute. „Ich geh Hasen schaukeln jetzt“ , twittert Lisa ein paar Stunden vorher.

Die Agentur ist zahlreich versammelt, der Chefredakteur hat mich freundlicherweise eingeladen, auch wenn er mein iPhone nicht leiden kann. Der Agenturchef, der auch gekommen ist, dagegen schon. Seltsam komplizenhaft liegen unsere iPhones auf dem Tisch nebeneinander. Er checkt Facebook, ich Twitter. Dass es nicht genau anders herum der Fall ist, liegt an einer anderen Sache, die auffällt, als ich während der Lesung nicht aufhören kann, herumzutippen.

Es ist kompliziert: Facebook-Beziehungsstatus, den ich nie aktivieren würde

‚Lisa’ steht da oben auf meinem Multitouch-Display neben dem Bild-Icon. „Du schreibst ihr jetzt Direct Messages?“ flüstert der Agenturchef halb belustigt, als er auf meinem Display liest: Skype nachher? Oder musst Du noch arg viel machen?  „Ähem, nein, das ist ’ne andere Lisa“, nuschel ich vor mich hin. „Die ist, naja, aus – Facebook. Also: ursprünglich Twitter. Egal, beides.“ Er nickt, als hätte er verstanden.

Das war keine richtig gute Idee. Er kennt Saskia, meine Freundin, wenn auch nicht den aktuellen Beziehungsstand. Passendes Bar-Gespräch dazu vorhin vor der Lesung, beschwingt bei einem Drink: Trennungen – und wie man sie am anständigsten über die Bühne bekommt. „Einfach ehrlich sein“, meinte jemand. „Wir sind halt an unterschiedlichen Punkten in unserem Leben.“ Was für eine Phrase. „Es ist kompliziert“, meinte eine andere. Der Facebook-Beziehungsstatus, den ich nie aktivieren würde.

Auch Lisa liest, so scheint es, unterdessen über Abschiede – wenn auch andere: „Wenn du dann aus der Tür bist, ist die Realität ohne dich, mein Leben ohne dich. Die Kissen liegen zerfleddert über der Bettdecke. Hier und da ein Haar auf dem Überwurf, der sich dazwischen schlängelt wie ein Fluss, Flecken auf dem Laken.“

Beziehungs-Ende auf Facebook: Nicht mal 140 Zeichen braucht eine Trennung

Auf dem Nachhauseweg scrolle ich durch meinen Newsfeed. Auf Facebook lerne ich, dass Deutschland heute 0:1 gegen Argentinien verloren hat. Das fließt direkt in meine Timeline ein. Auf Twitter dagegen: „Hmm, Hunger, aber keine Ahnung, was ich essen soll“, schreibt eine Viel-Twitterin. „Ich will in den Arm!“ eine andere besonders mitteilsame Kurznachrichtenversenderin, während manchem einfach ein kurzer, schmachtender Ausruf reicht: „Hach“. Ich klicke Tweetie weg und schalte das iPhone aus, während die S3 an der Reeperbahn einläuft.

Stattdessen lese ich Lisas letzte Seite. Eine dumme, aber auch schöne Angewohnheit:  „Wenn du mir die Hand auf den Kopf legst, weil ich kein Ende finde, dann liebe ich dich, weil ich nie ein Ende finde und du dann allem ein Ende machst mit deiner Hand, dem Streit und dem Überschwang; und ich liebe Dich sogar, wenn du gehst.“ Die Worte fliegen vorbei wie Plakate im S-Bahn-Tunnel. Wenn es in der jungen deutschen Popliteratur einen Gegenentwurf zur „übelst geilen“ Kraftmeierei gerade so Volljähriger gibt, die aus anderen Blogs abschreiben, dann lese ich ihn nun – schließlich zitiert Lisa, wenn überhaupt mal, nur ihr eigenes.

Ich denke an Saskia, meine Freundin, den Valentinstag und die seltsame Begegnung mit dem Reitlehrer im Reitstall. Der Täter verrät sich am Übereifer, war das nicht immer so im Tatort? War es das? Macht man das so, funktioniert das so mit der Trennung? Der Gedanke von vorhin füllt meinen Kopf, als wollte er platzen.

„Denn wenn du gehst, dann ist das immer noch so, dann geht das nicht weg, was ich immer zu dir sage und was du zu mir sagst, denn auch wenn du schon am S-Bahnhof bist oder in einem anderen Land, ist es immer noch bei mir und drückt kleine Falten in den Kissenbezug“, heißt es in Lisas Roman. Im Zweifel für dich selbst. „XY ist jetzt nicht mehr in einer Beziehung“, heißt es bei Facebook, das Twitter hier sogar in der Effizienz schlägt: Nicht mal 140 Zeichen braucht man dafür. Nur ein Klick wäre das. Nur ein Klick.

Von Schwänen und Haien: Alte Freunde, neue Bekannte

15. Februar 2010

„Beziehungen sind das Schwerste im Leben“, sagt George Clooney im vielleicht bislang besten Film des Jahres, Up in the Air. Clooneys Charakter Ryan Bingham, der durch die USA jettet, um Menschen zu feuern, will sie nicht eingehen. Es bleibt alles ziemlich flüchtig beim Unternehmensberater.

Kaum anders ist es auf Facebook, wenn wir uns einmal auf unserer Pinnwand und Startseite umsehen. Im Minutentakt fliegen dort neue Meldungen ein so wie auf der Abflugtafel des Flughafens:

Maximilian ist jetzt mit Olga befreundet.

Flug Nummer 232 von München nach Moskau steht jetzt zum Boarding bereit.

Alona ist jetzt verlobt.

Bitte gehen Sie zum Gate Nummer B 23, Ihr Flug ist jetzt zum Abflug bereit.

So geht es dauernd zu auf Facebook. Die Nachrichten unserer Freunde heben ab und landen wie Flugzeuge. Immer weiter, immer schneller. 322 Tage im Jahr fliegt Ryan Bingham durch die USA. „Was mich die übrigen 43 Tage hassen lässt“, scherzt der Clooney-Charakter, ganz eins mit seinem smarten Hollywood-Klischee. Sind wir eigentlich so oft im Jahr offline, bzw. nicht auf Facebook? 43 Tage im Jahr? Ich nicht.

„Du bist nicht auf Facebook?“ – „Genau“ – Oh, darauf war ich nicht vorbereitet“

Vielleicht sollte ich das aber, erklärt mir Ina gestern, die ich auf der Geburtstagsparty einer Freundin kennenlerne. Der Dialog geht so:

„Hey, kennen wir uns schon?“
„Glaube nicht, aber das sollten wir ändern. Ina“. Es kommt zum Handshake.
Pause.
„Auch aus Berlin?“
„Hamburg.“
„Hamburg, wie smart“. Sie grinst und taxiert mich. Luftanhalten, Bauch einziehen und endlich mal mit den Fritz-Kolas aufhören, denke ich.
„Und, was machst Du?“ Die Standardfrage über 30, ob man will oder nicht.
„Ich schreibe“, sage ich.
„Cool, ich auch“, sagt Ina.
Damit hat sie sofort meine ganze Aufmerksamkeit gewonnen. „Wirklich, was denn?“
„Romane. Und Du?“
„Da kann ich nicht mithalten. Artikel. Blogs. Und all den Kram dazwischen.“
„Oh.“
„Oh, so schlimm?“
„Oh, nein gar nicht“. Die nächste Pause, etwas länger.
Ich versuche es mit dem Clooney-Lächeln, das ich gestern gelernt habe. „Warum dann ‚oh‘?“

„Darauf war ich nicht vorbereitet. Das ist so öffentlich. Nicht meins.“ Jetzt grinst sie.
„Wieso? Als Autor bist Du doch viel öffentlicher.“
„Bin ich nicht. Ich veröffentliche nicht.“
„Oh. Das ist natürlich auch ein Weg.“ Das ist so großartig berlinerisch, denke ich und halte inne, dann fällt mir etwas anderes ein. „Dann bist Du also auch nicht auf Google auffindbar.“
„Genau“.
Letzte Chance. „Aber auf Facebook.“
„Never.“
„Oh, darauf war ich nicht vorbereitet“, grinse ich und entschuldige mich in Richtung der Drinks, um das gleich auf meinem iPhone zu kontrollieren.

„Gibt es ein Leben ohne digitale Existenz?“

Drei Stunden und zwei leere Rotweinflaschen später bedauere und bewundere ich Ina gleichzeitig. Dass sie schreibt, aber nicht veröffentlicht und dass sie schreibt, aber unerkannt bleibt. Leider wird der Abend nun so enden, dass wir uns nicht befreunden können. Sie existiert schließlich nicht in der digitalen Welt. Das macht sie verdächtig. „Gibt es ein Leben ohne digitale Existenz?“, feuere ich unterdessen als Status-Update an meine 300 Freunde auf Facebook und 600 Follower auf Twitter heraus. Musste ja mal so gefragt werden.
Doch statt einer Antwort stellte Ina die Fragen. „Was machst Du da eigentlich die ganze Zeit mit deinem Handy?“
„iPhone“, korrigiere ich.
„Was auch immer. Kannst Du nicht mal ohne das Teil zuhören?“ Es fällt mir schwer.
„Ja, nein – Moment“. Es surrt. Statt der SMS, die ich erwarte, eine Direct Message.

„Sag mal, Nils, hast Du über dein digitales Leben eigentlich dein analoges vergessen?“ fragt mich Miriam. „Ich lese seit Monaten nur noch Status-Updates von Dir. Unsere Freundschaft kann ich auch wohl knicken, oder?“ Früher waren wir eng miteinander befreundet, doch über die Jahre ist etwas passiert. Obwohl wir auf Facebook Freunde sind, hat sich unsere Freundschaft spürbar abgekühlt. Miriam wirft mir vor, Neuigkeiten beliebig mit allen sogenannten Freunden auf Facebook zu teilen, statt mit ihr, wie früher, exklusiv per Mail. Weil ich nicht weiß, was ich darauf entgegnen soll, ohne noch mehr Porzellan zu zerschlagen, lasse ich es.

Beziehungen und Freundschaften sind das Schwerste im Leben. „All die Kompromisse, Streitereien und Geheimnisse“, bilanziert George Clooneys Protagonist in Up in the Air. „Je langsamer wir uns bewegen, desto schneller sterben wir.“ Fühlen wir uns deshalb trotz Stunden am Tag vor dem Computer so lebendig, weil einem Facebook so unverbindlich und doch so aufregend erscheint wie ein Transatlantikflug? Moving is living.

Die Gegenwart gewinnt. Man muss schließlich Entscheidungen treffen

„Was ist denn nun“, herrscht mich unterdessen Ina an.
„Moment, das ist wichtig.“ Ich setze zur Antwort auf Facebook an.

„Wichtig, wichtig – was kann wichtiger sein als der Moment?“
„Eine zerbrochene Freundschaft“
„Ja, oder eine nicht geschlossene“. Sie guckt herausfordernd und dabei ziemlich lasziv.

Crunchtime.

Ich blicke sie einen Moment zu lange an, klicke Facebook weg und schalte das iPhone aus.
„Ok“, sage ich ihr, „die Gegenwart gewinnt.“ Man muss schließlich Entscheidungen treffen. Entscheidungen bedeuten Bewegung.

Nicht immer sind die spontanen Entscheidungen allerdings die besten, wie George Clooneys Charakter Ryan Bingham in Up in the Air feststellen muss, als er mitten im bestbezahlten Vortrag seines Lebens eine weiche Stelle in seinem Herz entdeckt und aufbricht, um außerplanmäßig nach Chicago zu fliegen. Dass mir Miriam das Schweigen übel nehmen wird, ahne ich. Dass Saskia, meine Freundin, in den nächsten Stunden zwei SMS verschicken und drei Anrufe starten wird, erwischt mich allerdings auf dem Nachhauseweg so eiskalt wie der Schneesturm im Morgengrauen. Vollkommene Verdrängung.

Die Schneeflocken im Gesicht verharre ich noch einen Moment am Altonaer Balkon und blicke über den Hafen, über die Docklands, die von merklich weniger Eisschollen eingerahmt sind. Ein erster Vogel zwitschert, ein anderer erwidert. In zwei, drei Wochen werden sie den Frühling ankündigen. Manche Tiere sind dazu bestimmt, immer beieinander zu bleiben, symbiotisch, ein Leben lang. Wie Schwäne. Aber machen wir uns nichts vor: Wir sind keine Schwäne. Wir sind Haie.

Mythos Privatsphäre: Alles ist öffentlich

25. Januar 2010

„Bitte respektieren Sie die Privatsphäre“, ist so ein Satz aus der Business Class. Dort passiert seit vergangenem Jahr bei immer mehr Airlines dies: Ein Paravent trennt nicht nur die Billig-Flieger der Economy Class von den elitären Geschäftsreisenden, die unter sich sein möchten – sie trennt sie auch selbst. Mit einem Druck wird so bald in immer mehr Boeings und Airbussen eine milchglas-farbene Abtrenung hochgefahren. Mind the privacy, please!

Schließlich wird die Privatsphäre im deutschen Grundgesetz als nicht weniger als ein Persönlichkeitsrecht deklariert.  „Das besondere Persönlichkeitsrecht dient dem Schutz eines abgeschirmten Bereichs persönlicher Entfaltung. Dem Menschen soll dadurch ein räumlicher Bereich verbleiben, in dem er sich frei und ungezwungen verhalten kann, ohne befürchten zu müssen, dass Dritte von seinem Verhalten Kenntnis erlangen…“, ist in der Wikipedia zu lesen. Klare Sache also, oder?


„Wer ist eigentlich Nataliya? Nataliya mit ‚y’ nicht mit ‚i’“

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat indes eine sehr moderne Auffassung des Begriffs, die in der Internetwelt allerspätestens vor knapp zwei Wochen nachzulesen war: „Menschen sind einverstanden damit, Informationen über sich mit anderen zu teilen und werden immer offener zu immer mehr Menschen. Die sozialen Normen hier haben sich in der Zeit entwickelt“, erklärte der erst 25-jährige Facebook-Gründer unlängst „TechCrunch“-Boss Michael Arrington.

Tatsächlich kennen sich Facebook-Mitglieder mit dieser dehnbaren Entwicklung seit ihrer Nutzung des weltgrößten Netzwerks bestens in der Praxis aus. Für mich klang es lange wie ein eher reißerisches Medien-Phänomen, schließlich habe ich ja gut  achtgegeben und die zwölf Privatsphäre-Einstellungen für mein Profil, die zehn Privatsphäre-Einstellungen für die „Kontakt- Informationen“, die vier Privatsphäre-Einstellungen zu den Anwendungen und Webseiten, die ich mit anderen teile, nach bestem Wissen und Gewissen angeklickt und aktiviert bzw. deaktiviert. Oder?

Oder nicht. „Wer ist eigentlich Nataliya“, fragt mich Saskia, meine Freundin, zum Ende des Mittagessens beim Bok in der Schanze, als noch zwei Stücken Sushi  übrig bleiben. „Nataliya mit „y“, nicht mit „i““ Sie dippt das vorletzte Nigri ein bisschen zu forsch in die Soya-Ingwer-Soße. Es spritzt etwas.

Der kleine Fleck auf der Tischdecke ist unübersehbar. Es ist unser erstes Mittagessen  seit drei Monaten, obwohl zwischen Agentur und Redaktion nur etwa 800 Meter Luftlinie liegen.

Wer? „Na – Nataliya?“, verhaspele ich mich etwas zu gewollt.

„Natali-ya Yadadadada“.  Sie blickt auf ihren Blackberry und fixiert mich dann. Ein Blick,  der das Alstereisvergnügen im Handumdrehen  garantieren würde. Gefroren wäre noch gelogen.

„Ach so“. Ich grinse bescheuert. „Nataliya“

„Nataliya.“
„Nataliya.“

„Nataliya!“

Eine Facebook-Freundin ist das!“ Ich kaue angestrengt.

„Eine Facebook-Freundin.“ Noch ehe mich Saskia grillen kann, vibriert ihr Blackberry. Von Pharma-Workshops und Pitches ist die Rede, sie spannt die Wangenknochen zu einem Lächeln, legt einen 10 Euro-Schein auf den Tisch und hebt die Hand, während ich den Wortfetzen lausche „Pitch nächste Woche, Corporate Responsibility-Kampagne, natürlich verxingen wir uns gleich Frau Wer-auch-immer.“ Das ist Saskias Welt. Auf den Punkt professionell, so professionell wie ihr Blackberry Storm und ihr Xing-Kontaktbuch. Ich hingegen zücke mein iPhone und klicke bedröppelt auf meine Facebook-App. Erwischt!

Befreundet mit der ukrainischen Version von Kate Moss: „Nach Odessa. Sofort!“

Und wie. Aber wobei eigentlich?  Ich kenne Nataliya aus ‚Meet New People’. Kommt aus der Ukraine, schreibt ein perfekteres Englisch als manches Mädel aus Brooklyn und sieht aus wie die ukrainische Version von Kate Moss. „Oh mein Gott“, sagt mein zehn Jahre jüngerer Kollege Felix, als ich zurück in die Redaktion trotte. „Was machst Du hier überhaupt noch? Fahr sofort nach Odessa. Sofort!“

Ich schüttele den Kopf. Wieso kennt er auch Nataliya? Steht ihr Name auf meiner Stirn geschrieben? Ehe ich darüber nachdenken kann, was in Facebook  schiefgelaufen ist, poppt Skype auf. Nicolay schreibt mir: „Gute Nachricht! Ab April gibt es Direktverbindungen nach Odessa. Bin dabei – aber frag vorher, ob Nataliya eine große Schwester oder Freundin hat!“
WTF! tippe ich nur. „Woher weißt Du von der?“

„Das ist ziemlich schnell erklärt, wenn ich das lese: Außer Dir dürften noch etwa 214 Freunde wissen, wie wild Du letzte Nacht mit der rumgeflirtet hast. Weißt Du nicht von den neuen  Privatsphäre-Einstellungen?“

WAS IST DAMIT? tippe ich wie in Trance.
„Naja: Foto-Kommentare sind doch jetzt sichtbar… Likes auch….“

„Wow, how cute are you?“ Meine Freunde lesen und klicken mit

In diesem Moment friert die Zeit ein wie meine Finger beim Radfahren in diesen Tagen. Das darf doch nicht wahr sein! Foto-Kommentare waren IMMER geschützt, wenn man die Einstellung vorher aktiviert hatte. Wenn nicht, tauchten sie vorher in den „Höhepunkten“ auf. Meine Kommentar-Serie letzte Nacht – ich habe nichts daran geändert. Oder doch?

SCREENSHOT, bitte schicke sofort einen  Screenshot!, skype ich Nico.

Eine Minute später  mein blankes Entsetzen:

„Wow, how cute are you?“, lese ich da. Ich erinnere mich. Dunkel. Gut, dass ich so beherrscht und gut erzogen bin. ‚Cute’ schreibe ich – nie ‚hot’. Doch das nützt nichts: Die ganze Welt weiß, wie ‚hübsch’ – also: heiß Nataliya ist. Ein Klick auf ihr Profil und jeder, aber auch jeder kann ihre Bilder begutachten – durch alle 18 Profilbilder aus den letzten zweieinhalb Jahren kann man sich klicken. Nataliya hat, wie wohl 80 Prozent aller User, nach den Einstellungsänderungen im Dezember nicht ihre Profilbilder gesichert. Jeder kann sie sehen – und gesehen werden, wenn er den Haken nicht an der richtigen Stelle setzt.

Genau wie meine Freunde, die plötzlich für jeden sichtbar sind. Genau wie die Fanpages – was etwa ein großer Spaß für jemanden mit gewissen Vorlieben sein muss. Und zwar in Echtzeit. Genau wie die Freundschaftsbestätigungen – alles live, alles sichtbar, alles für alle!

Über Nacht hat Facebook die Privatsphäre neu definiert

„Was ist denn, Nils“, fragt mich der Chefredakteur. „Du siehst so blass aus. Komm, schreib was über Facebook, ist doch Dein Lieblingsthema“, muntert er mich auf. „Und ein heißes dazu. Die Leute laufen nach Zuckerbergs jüngsten Äußerungen Sturm“.

Das stimmt. ’Das Zeitalter der Privatsphäre ist vorbei’, wird Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vom Webblog „ReadWriteWeb“ zitiert. Natürlich soll das Zitat aus dem Kontext gegriffen worden sein. Aber gilt das nicht auch für den Begriff der Privatsphäre selbst?

Facebook, das mit 350 Millionen Nutzern bei weitem größte Social Network der Welt, nahm es mit der Privatsphäre bislang eigentlich ziemlich genau. Genauer gesagt: Sehr genau. So genau, dass kein User etwas gegen die neue Öffentlichkeit sagen kann, schließlich gibt es für sie Regeln. Dass einiges, was im letzten Jahr noch als privat galt, nun plötzlich öffentlich ist, gehört schlicht zur Umschreibung dieser Regeln. Öffentlich ist das neue Privat.

„I’m trying to make the world a more open place“, schreibt Mark Zuckerberg in seinem Statement in seinem eigenen Profil. Plötzlich bekommt das Zitat eine neue Bedeutung. Über Nacht hat Facebook die Privatsphäre neu definiert – böse Zungen könnten auch behaupten: abgeschafft. Alles ist öffentlich. Aber wusste ich das nicht schon vorher?

1.0 vs. 2.0: Der Morgen stirbt nie – das Gestern ein bisschen

10. Dezember 2009

Mann, ist der alt geworden? Mann, bin ich alt geworden! Was haben Hugh Grant und ich gemeinsam? Nichts – außer der Haarfarbe. Und der Tatsache, dass wir beide, mal mehr, mal weniger explizit ausgesprochen, der Binsenweisheit des großen amerikanischen Altmeisters Philip Roth huldigen dürften: Das Alter ist ein Massaker.

Zehn Jahre liegen zwischen den Aufnahmen in „Wetten, dass“. 1999 – 2009. Ich weiß, was diese eine Dekade mit einem machen kann. „Das verlorene Jahrzehnt“ zog der „Spiegel“ am Montag vier Wochen vor dem Ende das vorweggenommene Fazit des Jahrzehnts – um mir damit auch die sorgsam beiseite gelegte Headline für Aktienrückblicke zum Jahresende zu zertrümmern.

Tatsächlich: Diese 2000er waren schon ein seltsam verworrenes Jahrzehnt. Und doch: Rückblicke lassen einen ja traditionell nostalgisch werden. Das gilt auch für ein Wiedersehen mit den ehemaligen Kollegen meines ersten richtigen Arbeitgebers am vergangenen Freitag – zehn Jahre danach.

Zehn Jahres-Revival: Nicht über Facebook, Xing oder Twitter erreicht mich die Einladung – sondern per eMail

Die Tomorrow Internet AG, in der ich seit  ihrer Vorstufe von 1998 bis 2002 gearbeitet habe, war tatsächlich um die Jahrtausendwende ein heller Stern der deutschen Internetszene. Es war eine jener glorreichen New Economy-Storys, die – das weiß man ohne die Hintergründe zu kennen – natürlich nicht ganz glücklich endete. Vor allem für den überwältigenden Teil der Belegschaft, die sich, dank der virtuellen Verheißungen von Stock Options, zumindest im Februar 2000 für Wochen als angehender Dot.com-Millionär fühlen durfte.

Knapp zehn Jahre und zwei gewaltige Börsencrashs später ist davon nicht mehr besonders viel übrig. Als fusionierte Tomorrow Focus firmiert die AG heute, inklusive der alten Milchstraßen-Marken Amica.de, Fitforfun.de oder natürlich TVSpielfilm.de. Ein printloses Eigengewächs hat die Fusion nicht überlebt – der Playground, einst Deutschlands größte Online-Community und mit seinen Profilseiten und seinen unzähligen Chatapplikationen  in gewisser Weise so etwas wie ein Facebook-Vorläufer.

Geschichten gibt es sich also genug zu erzählen, zehn Jahre später. Doch nicht unbedingt über das Maß aller Dinge der heutigen Dotcom-Generation. Nicht über Facebook, Xing oder Twitter erreicht mich die Einladung – sondern per eMail via meinen längst abgelegten T-Online-Account, den ich spaßeshalber einmal im Monat checke. Hat funktioniert. Als ich so weit bin, mich auf den Weg zu machen, überkommt mich die Skepsis wie beim Klassentreffen. Macht das überhaupt Sinn, zehn Jahre später? Ein paar Kollegen kenne und sehe ich ja noch diese Tage. Aber der Rest? Was ist mit dem Rest?

Generation twitterlos: „Du hast den einzigen #Hashtag gesetzt. Kommt da überhaupt jemand?“

Facebook gibt mir keine Auskunft. Vielleicht liegt es an meiner Suchabfrage, vielleicht wurde ich in die Ehemaligen-Gruppen einfach nie eingeladen. Ich checke also Twitter, wer kommen mag. Hashtag #TIAG, das muss funktionieren.

Twitter, das ist ja das Facebook to go. On the fly. Mal so kurz was aus der Hüfte schießen, das macht man hier, am liebsten mit dem iPhone. Ich mache seit rund zwei Jahren mit, ein irrer Spaß ist das – aber auch ein wenig egomaner Slapstick, immer auf der Suche nach dem besten Gassenhauer, das schon. In jedem Fall: Das große Ding des Internet-Jahres 2009, noch heißer als Facebook in diesen Tagen.

Twitter wäre, genauso wie Facebook, das ultimative Geek-Tool gewesen, auf dem sich die Belegschaft heute vernetzt und digitale Kommunikation gepflegt hätte – der AIM-Messenger von 2009 eben. Doch wo sind die TIAGs heute? Nur mein ehemaliger Chefredakteur twittert: „Berlin-HH zur Party 10 Jahre Tomorrow Internet AG“ Ich antworte umgehend: „Mache mir ernsthaft Sorgen. Du hast den einzigen #TIAG-Hashtag gesetzt. Kommt da überhaupt jemand?“

Das Upgrade von 1.0 auf 2.0 haben  offenbar nicht alle mitgemacht

Grund zur Sorge bestand nicht, wie ich sechs Stunden später weiß. 50 bis 60 von einst 250 Kollegen – gar nicht schlecht. Tatsächlich ganz gut: So nett wie beim Klassentreffen, nur netter, höflicher geht es in der Amandabar in der Schanze  zu. Ein vollauf gelungenes Wiedersehen!

Nur etwas befremdet mich. Der Onliner von gestern ist nicht der von heute. Das Upgrade von 1.0 auf 2.0 haben viele offenbar nicht mitgemacht. Wie ein Handlungsreisender bin ich bemüht, jeden netten Kontakt am Ende des Gesprächs auf Facebook zu ziehen – live sogar, ich habe ja das iPhone dabei und fuchtele permanent damit herum.  Erfolglos, zumeist.  Da geht dann so aus:

Bin noch nicht drin, sagen die einen.
Hab so wenig Zeit, sagen die anderen
Nicht meins, geben die Ehrlichsten zu.

Ein bisschen eigenartig für die digital natives von einst ist das schon. Was aber ist mit Twitter?
Twitter ist zu klein, meint ein früherer Kollege, der es wissen muss – der hat heute eine eigene Softwarefirma. Wieso zu klein? 500+ Verfolger habe ich dort. So viel wie nicht in Xing und Facebook zusammen. Twitter ist so 2007, meint meine frühere Redaktionsleiterin. Das ist schon wieder vorbei. Hmm.

Xing und Facebook vertragen sich nicht: Dienst ist Dienst. Und Schnaps ist Schnaps.

Also bleibt am Ende des Abends nur Xing. Wahrscheinlich ist es doch am besten, so genau will man es vielleicht doch nicht wissen, was der treibt? Damit verhält es sich auch bei den Onlinern wie in jeder anderen Berufsgruppe. Nicht mal 1 Prozent der Xing-Nutzer hat sein Facebook-Profil angegeben, hat mir Xing-Sprecher Thorsten Vespermann beim letzten Social Media Club verraten. Und erklärt: Dienst ist Dienst. Und Schnaps ist Schnaps.

Der floss doch reichlich am vergangenen Freitag. Ich habe seitdem ein bisschen  herumgeklickt in Facebook und ein paar mehr Ehemalige gefunden. Dann sehe ich auf der Startseite, wie meine Kollegin Julia einer Gruppe mit einem dubiosen Namen beigetreten ist, der mir sehr bekannt vorkommt. The day after Tomorrow! Ich ahne, was jetzt kommt.

Da ist sie doch noch, die TIAG-Gruppe. Irre. Ein Grüppchen, 20 Leutchen sind da – 20  aus 250. Der Morgen stirbt doch nie. Das Gestern – ein bisschen. The day after tomorrow, steht in meinem Status-Update, als ich meine Profilseite aktualisiere.

Foreign Affairs

4. Dezember 2009

Ich bin nicht alleine. Genauer gesagt bin ich wie alle anderen. Jeder bei uns in der Redaktion findet Megan Fox toll. Jeder Mann. Dabei ist mir das unangenehm. Ich finde es nicht besonders schön, so unter der Gürtellinie getroffen zu werden. So direkt, so mit Anlauf. Wenn man Megan Fox sieht, sieht man, na ja – Sex. Nichts als pure Fleischeslust, rohe, ungezügelte Gedanken.

So etwas passiert mir nur bei dunkelhaarigen Frauen. Das letzte Mal, als eine Frau so etwas in mir ausgelöst hat, war gegen Ende der Uni-Zeit. Und natürlich war sie auch brünett. Giana, Italienerin mit luxemburgischem Pass und die beste Auslandserfahrung, die ich je hatte. Kennengelernt in London, wiedergesehen in Hamburg und Brüssel. Dummerweise war ich damals in einer Beziehung, was alles kompliziert, dann kaputt gemacht hat – die Beziehung und die Sache mit Giana erst recht.

Für den Moment denke ich, dass ich etwas  von dem Chaos gerne zurück hätte – nicht die Folgen, aber das Gefühl von Lebendigkeit. „Behalte das, was zwischen uns geschehen ist, in deiner Schatztruhe, und sag dir einfach, dass es sehr schön war. Au revoir“ – so endete das damals, vor knapp zehn Jahren.

Der Gatsby-Moment in Facebook – zur Liebe am anderen Ufer blicken

In diesen schlauen Hollywood-Blockbustern der Moderne zieht der Protagonist dann weiter, wohl wissend, dass man die Vergangenheit ruhen lassen sollte. Es gehe nichts über einen würdigen Abgang, heißt es – usw, usf. Den hatte ich damals, im Juni 2000, als die Fußball-EM Brüssel lahmlegte – ganz im Gegensatz zur deutschen Nationalmannschaft.

Alles, was danach kam, wurde besser – für die DFB-Elf und für mich irgendwo auch. Mit Saskia. Mit unserer Zeit. Lange habe ich nicht mehr an Giana gedacht, die ich danach zu einer jener Liebesgeschichten verklärt habe, die eben nicht sein sollten – heftig, aber aussichtslos. Was aber, wenn sie plötzlich wieder greifbar werden?

Diesen Gatsby-Moment, in dem F. Scott Fitzgerald gedankenversunken am West Egg des nachts auf seine Liebe am anderen Ufer blickt, erlebe ich dank Facebook. Giana finde ich sofort, sogar ihr Profil ist teilweise sichtbar, ohne dass ich die Freundschaftsanfrage hinausschicken muss.

Mail aus der Vergangenheit: Das Leben ist auch immer noch „beim Alten“

Wow. Neun Jahre sind neun Jahre, aber sie sieht immer noch faszinierend aus. Anders  faszinierend. Damals ein Mädchen von Anfang zwanzig, heute eine Frau von Anfang dreißig. Faszinierender ist das! Ihre Haare sind länger, ihr Lächeln noch gewinnender geworden. Und mit ihren haselnussbraunen Augen nimmt sie weiter Gefangene. Heute arbeitet Giana bei der EU-Kommission  und hat auffallend viele Kommentare von männlichen Freunden unter ihren Fotos. Was habe ich erwartet? Ich schreibe ihr trotzdem eine Mail.

Am nächsten Tag ertappe ich mich dabei, nach dem Aufwachen noch etwas gespannter auf die Facebook-Applikation des iPhones zu blinzeln. Und tatsächlich – eine rote „1“ leuchtet über dem Postfach auf. Giana? Giana!

Hi Nils,

mir geht es wie immer! 🙂 Nichts hat sich wirklich verändert. Das Leben ist auch immer noch „beim Alten“, keine Hochzeits- oder Nachwuchspläne. Arbeite inzwischen bei der EU, was riesig Spaß macht. So viele verschiedene Menschen, so viel Kulturen. Wie steht es bei dir?

Grüsse aus Brüssel.

Giana

Penser à Bruxelles steht im Status-Update. Wer denkt schließlich nicht an Brüssel?

Das freut und enttäuscht mich zugleich. Eine umgehende Antwort (prima!), noch nicht verheiratet (sehr gut!), noch keine Kinder (noch alles möglich!) – aber doch sehr formell geschrieben.  Ich antworte ihr:

Hey Giana,

wie schön, so schnell von Dir zu hören – klingt doch toll. Bei mir ist auch alles „beim Alten“ 🙂 Viel zu  schreiben, aber „keine Hochzeits- oder Nachwuchspläne“ 😉  Lass uns doch bei Gelegenheit skypen!

LG, Nils

Spätestens, als ich das geschrieben habe, fühle ich mich schäbig. Keine Hochzeits- oder Nachwuchspläne? Das kann man so kategorisch nicht sagen. Zumindest nicht Saskia. Schreibe ich aber – Giana. Bin ich dabei, die Geschichte zu wiederholen?

Uns bleibt immer Brüssel, hatte Giana in ihrer Abschiedsmail geschrieben. Das bleibt uns. Dieses Facebook weckt nun aber Gedanken in mir, die gar nicht gut sind. Aber kann man Facebook dafür verantwortlich machen, dass es wie die Büchse der Pandora mit etwas lockt, was längst latent in uns schlummert? Papperlapapp!

Ich aktualisiere mein Status-Update. Penser à Bruxelles, steht da. Kann man doch so schreiben – wer denkt nicht mal an Brüssel? Ich fühle mich so verwegen wie ein 14-facher Grand Slam-Gewinner. Ob wohl Tiger Woods auch solche Status-Updates verfasst hat, bevor er seinen Wagen gegen den Baum setzte? Zum Glück bin ich nicht in Gefahr – ich habe ja bis heute keinen Führerschein.

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